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DENKFABRIK
Gesundheit by FLYERALARM e.V.
Alfred-Nobel-Straße 20
97080 Würzburg
Jochen Seuling
E-Mail: info@denkfabrik.world
Telefon: 0160 8207065
Gute Medizin scheitert selten am Können, oft ist es der Weg dorthin. Die DENKFABRIK GESUNDHEIT, ein medizinisches Experten-Netzwerk aus Würzburg, will diese Wege kürzer machen – bei der Vorsorge wie bei der Behandlung. Davon profitieren die Menschen in Mainfranken.
25.08.2026
Der Brief der GKV liegt auf dem Küchentisch, zwischen Stromabrechnung und Werbeprospekt. Die Krankenkasse lädt ein, freundlich, in Behördendeutsch: zur Früherkennung. Ein Termin wäre schnell gemacht. Doch der Brief bleibt liegen. Er wandert auf den Stapel, der Stapel unter andere Stapel. Irgendwann ist das Datum verstrichen und das Schreiben vergessen…
Prävention ist die billigste und wirksamste Medizin, die das Gesundheitssystem zu bieten hat. Sie tut nicht weh, sie kostet die Versicherten nichts, und sie verhindert im besten Fall eine Krankheit, bevor sie eine ist. Trotzdem bleibt sie das am schlechtesten genutzte Angebot im ganzen System. Die Zahlen sind seit Jahren bekannt, und sie sind ernüchternd. Mehr als 70 Prozent der gesetzlich Versicherten ab 35 Jahren mit Anspruch auf das kostenlose Hautkrebs-Screening verzichten darauf, wie der BARMER-Arztreport
2025 zeigt. Zur Prostata-Vorsorge ging 2021 nicht einmal jeder vierte berechtigte Mann: 23 Prozent. Und die Darmspiegelung, die Leben retten kann, war im selben Jahr bei rund zwei Prozent der Berechtigten überhaupt dokumentiert. Zwei Prozent.
Man könnte diese Zahlen als Versagen der Bürgerinnen und Bürger lesen, doch das wäre zu einfach. Wer den Brief mit der Einladung zur Vorsorge nicht öffnet, ist selten gleichgültig; er hat keine Zeit, keinen Hausarzt mehr in der Nähe, Angst vor einer möglichen Diagnose, oder er hat schlicht keine Symptome und sieht deswegen keine Notwendigkeit. Letzteres ist der gefährlichste Grund, weil er der vernünftigste zu sein scheint. Krebs meldet sich früh meist nicht. Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel- und Organerkrankungen auch nicht zwangsläufig. Wer auf das Symptom wartet, wartet zu lange. Hier beginnt die Geschichte einer in Würzburg geborenen Idee.
Die DENKFABRIK GESUNDHEIT ist im Sommer 2024 als Verein entstanden, hervorgegangen aus einem losen Kreis von Ärztinnen und Ärzten, die sich immer wieder trafen. Das Thema war stets dasselbe: die Sorge um die Zukunft der medizinischen Versorgung in der Region Mainfranken. Aus Gesprächen wurde ein Verein und aus dem Kreis ein Netzwerk, das heute Fachleute aus den verschiedensten Fachgebieten versammelt – von der Allgemeinmedizin über die Kardiologie bis zur Zahnmedizin.
FLYERALARM, eines der führenden deutschen E-Commerce-Unternehmen für Marketing- und Druckprodukte, steht im Hintergrund. Es unterstützt bei Finanzierung, Vermarktung und Öffentlichkeitsarbeit, also bei dem, was Ärztinnen und Ärzte neben der Sprechstunde selten leisten können. Die medizinische Arbeit machen die Mitglieder. Gründungsmitglied Dr. Michael Schlagbauer, Zahnarzt aus Würzburg-Heidingsfeld, hat den Antrieb des Vereins in zwei Worte gefasst: „Einfach machen.“ Der Satz klingt nach Werbung, ist aber als Programm gemeint. Es gebe genug Gremien, die reden würden, so Schlagbauer. Die DENKFABRIK GESUNDHEIT wolle die Dinge aus einem anderen Blickwinkel betrachten und konkrete Verbesserungen anstoßen. Doch was genau haben Patientinnen und Patienten davon, dass sich in Würzburg engagierte medizinische Experten zusammengeschlossen haben?
Die ehrliche Antwort lautet: zunächst nichts, was man am selben Tag spürt. Die DENKFABRIK GESUNDHEIT stellt keine Diagnose, verschreibt kein Medikament, kürzt keine Wartezeit. Ihr Nutzen ist mittelbar, und er entsteht langsam. Wer einen schnellen Effekt erwartet, hegt falsche Erwartungen. Aber mittelbar heißt nicht folgenlos. Der Hebel, den ein solches Netzwerk hat, liegt genau an der Stelle, an der das System versagt: bei der Aufklärung und bei den Wegen. Prävention scheitert in Deutschland an der Lücke zwischen einem Termin und einem Menschen, der nicht weiß, dass er ihn dringend wahrnehmen sollte.
Diese Lücke lässt sich regional schließen, und regional ist genau die Ebene, auf der die Denkfabrik arbeitet. Dr. med. Christian Rost, Kardiologe in der Würzburger Gemeinschaftspraxis main-herz und Vorstandsmitglied des Vereins, formuliert es so: „Die meisten Herzinfarkte, die ich sehe, hätten zehn Jahre früher ein Gespräch sein können, über Blutdruck, über Bewegung, über das Rauchen. Wir Ärzte kommen oft erst ins Spiel, wenn es kritisch wird. Vorsorge heißt, früher da zu sein.“
Was die DENKFABRIK GESUNDHEIT dafür mitbringt, sind Reichweite und Vernetzung. Sie kann Themen sichtbar machen, die sonst in der Sprechstunde steckenbleiben. Sie kann Hausärztin, Radiologe und Physiotherapeut an einen Tisch holen, um Lösungen für Herausforderungen des Praxisalltags zu finden. Sie kann mit Entscheidungsträgern aus Politik und Wirtschaft reden, ohne deren Sprecherin zu sein. Und sie kann, das ist der unterschätzte Teil, Vertrauen organisieren. Denn Menschen folgen einer Vorsorgeempfehlung eher, wenn sie aus der eigenen Region kommt und ein Gesicht hat, das sie kennen.
Prävention ist nicht für alle gleich schwer. Sie hat ein Geschlechtergefälle, und es ist deutlich. Frauen nehmen Früherkennung im Schnitt sehr viel zuverlässiger wahr als Männer: Während 2021 nach BARMER-Daten mehr als die Hälfte der anspruchsberechtigten Frauen zur Mammographie ging, lag die Teilnahme der Männer an der Prostata-Vorsorge bei 23 Prozent. Die BARMER hat dafür ein Wort, das wenig schmeichelt: „Vorsorgemuffel“.
Dr. Birgit Spohn, Fachärztin für Frauenheilkunde und Gründungsmitglied der Denkfabrik, kennt beide Seiten dieser Statistik. „Wir Frauenärzte begleiten Frauen ein Leben lang, von der Schwangerschaft durch alle Lebensphasen bis ins hohe Alter. Für jede
Lebensphase gibt es wichtige Präventionsleistungen. Prävention kommt noch vor Früherkennung! Gut ist, wenn Frauen ihre Männer motivieren, auch Präventionsangebote anzunehmen, beim Hausarzt, beim Urologen, beim Hautarzt – das funktioniert, das sehe ich
immer wieder.“
Das zweite Gefälle ist geografisch. In der Stadt gibt‘s den Radiologen oft um die Ecke, auf dem Land ist die nächste Mammographie eine halbe Tagesreise. Dr. Christoph Buchberger, Radiologe und Gesellschafter einer Würzburger Praxis, sieht darin den eigentlichen regionalen Engpass. „Ein Screening, das gut ist, aber 40 Kilometer entfernt, ist für eine berufstätige Mutter in der Rhön kein Screening, sondern eine Zumutung“, sagt er. „Die technische Qualität haben wir. Was fehlt, sind die kurzen Wege und die klare Ansprache.“
Genau an dieser Stelle wird aus einem Verein ein Nutzen. Weil er Fragen stellt und Beteiligte zusammenbringt – Praxen, Kliniken, Kassen, Kommunen. Die Sicherung wohnortnaher Versorgung ist eines der erklärten Projekte der DENKFABRIK GESUNDHEIT, ebenso wie der Erhalt inhabergeführter Arztpraxen. Das gehört enger zusammen, als es klingt: Vorsorge braucht jemanden, der einlädt, erinnert und erklärt. Verschwindet die Hausarztpraxis im Ort, verschwindet auch dieser Mensch. Dann liegt der Brief der Krankenkasse
wieder ungeöffnet auf dem Küchentisch.
Es gibt einen weiteren Nutzen des Vereins, der unmittelbarer ist als alles bisher Genannte, und er ergibt sich fast nebenbei daraus, dass die Ärztinnen und Ärzte des Netzwerks einander kennen. Wer schon einmal mit einem komplizierten Beschwerdebild von einer Praxis zur nächsten geschickt wurde, kennt das Gefühl: Jeder schaut auf sein Fach, niemand auf den ganzen Menschen. Der Orthopäde sieht das Knie, der Internist den Blutdruck, der Neurologe die Nerven – und der Patient sitzt dazwischen, oft ratlos.
In einem Netzwerk, das funktioniert, fällt diese Hürde. Ein Anruf unter Kollegen ersetzt die Überweisung, die wochenlang liegen bleibt. Eine Diagnose, an der ein einzelnes Fach scheitert, klärt sich, wenn drei Disziplinen gemeinsam darauf schauen. Aus Einzelbefunden entstehen Bild und Behandlungsweg, der den Menschen meint und nicht nur das Symptom.
Dr. Yama Kamawal, Orthopäde und Unfallchirurg, sieht darin den eigentlichen Gewinn des kurzen Drahts. „Viele Beschwerden haben mehr als eine Ursache, und keine löst sich, wenn jeder nur sein Stück betrachtet“, sagt Kamawal. „Wenn ich den Kardiologen oder den Neurologen direkt anrufen kann, weil wir uns kennen, spart das dem Patienten Wochen – und manchmal einen falschen Weg.“
Das ist die ältere, fast altmodische Stärke eines regionalen Netzes: Vertrauen unter Fachleuten, die sich nicht erst kennenlernen müssen, wenn es eilt. Für Patientinnen und Patienten heißt das weniger Warten, weniger Doppeluntersuchungen und eine Therapie, die
zusammenpasst, statt aus losen Teilen zu bestehen. Von einem Verein, der noch keine zwei Jahre alt ist, sollte man keine Wunder erwarten. Vieles, was sich die DENKFABRIK GESUNDHEIT vorgenommen hat, braucht Zeit: kürzere Wege zur Untersuchung, höhere
Vorsorgequoten, eine geregelte Nachfolge für Praxen, die sonst schließen würden. Solche Veränderungen entstehen erst, wenn Menschen über Jahre am selben Ziel arbeiten. Simone Nierhaus, Vorstand der Denkfabrik, sagt: „Wir versprechen niemandem Gesundheit. Wir versprechen, die Hürden kleiner zu machen, die zwischen den Menschen und ihrer Vorsorge stehen.“
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