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Burger, Pommes, Softdrink – ein Menü deckt fast den Tagesbedarf und treibt Heißhunger, Übergewicht, stille Entzündungen. Doch die Gegenbewegung steht bereit: achtsam, regional, saisonal. Was in Unterfranken auf den Teller gehört, damit Genuss und Gesundheit zusammenfinden, erklärt Ernährungsberaterin Mirjam-Ann Rost.
18.07.2026
„Fastfood“ und „Streetfood“ sind in aller Munde: Gehen wir z.B. durch die Würzburger Innenstadt, so sehen wir die tragbaren Gaumenfreuden gegen den kleinen Hunger in vielen Händen. Lecker und praktisch, schnell serviert und ohne großen Zeitverlust verzehrt. „Fastfood“ meint dabei meist Speisen von standardisierten Ketten, „Streetfood“ lokale und weniger verarbeitete Nahrung, die aber oft auch kalorienreich ist. Gerade diese hohe Energiedichte und zum Teil ein Mangel an Mikronährstoffen kann problematisch an dieser Form der Ernährung sein. Wenn sich Menschen bevorzugt so ernähren, kann das bis zum sogenannten „Double burden of malnutrition“ führen, also Übergewicht und Unterernährung nebeneinander. Die deutsche EsKiMo II-Studie untersuchte das Ernährungsverhalten von Jugendlichen und zeigte, dass fast ein Viertel der Jugendlichen mindesten einmal pro Woche Fastfood isst.
Natürlich ist der gelegentliche Genuss kein Problem, insbesondere wenn man auf eine hohe Qualität der Zutaten achtet. Dennoch belegen Studien, dass die Schnellgastronomie gerade in Städten wächst und sich die traditionelle Struktur von drei Hauptmahlzeiten
am Tag auflöst. Dies fördert Übergewicht und die Folgen wie Leberverfettung, Bluthochdruck oder Diabetes. Ein einziges Menü mit großem Burger, Pommes und Softdrink kann bereits 1.200 bis 1.500 kcal enthalten – das ist für viele Menschen bereits der Großteil des gesamten Tagesbedarfs. Die enthaltenen einfachen Kohlenhydrate gelangen blitzschnell ins Blut. Der Körper schüttet massiv Insulin aus, um den Zucker zu verarbeiten. Das Insulin lässt den Blutzuckerspiegel danach wieder rasant abfallen. Das Gehirn registriert den niedrigen Wert und sendet Heißhunger-Signale – oft schon 1–2 Stunden nach der Mahlzeit. Gesättigte Fettsäuren und viel Salz sowie der Mangel an Ballaststoffen verstärken den schädigenden Effekt.
Die traditionelle Struktur von drei Hauptmahlzeiten am Tag löst sich auf – mit Folgen für Körper und Gesundheit.
Langfristig kann die falsche Ernährung so die Grundlage für viele Erkrankungen sein, bis hin zu Herzinfarkt und Schlaganfall, Tumorerkrankungen oder sogar Demenz.
Immer mehr in den Fokus der Medizin kommt die Bedeutung der stillen Entzündung, auch Inflammation genannt. Durch ein ungesundes Leben mit schlechter Ernährung, aber auch Nikotinkonsum, Übergewicht, Bewegungsmangel oder psychischen Belastungen kommt der ganze Körper in eine Art ständigen Stresszustand mit anhaltender Inflammation. Diese kann den Körper langfristig schädigen. Ein gesunder Lebensstil mit einer antientzündlichen Ernährung ist daher von wesentlicher Bedeutung für ein langes und gesundes Leben.
Die deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) betont die Lebensmittelvielfalt: Ausreichend Gemüse und Obst, Vollkornprodukte und gelegentlich gutes
Fleisch sowie Milchprodukte und gesunde Fette, z.B. aus Pflanzenöl, werden empfohlen. Zucker und Salz sollten eingespart werden. Zuckerarme Getränke sind zu bevorzugen. Gerade für übergewichtige Menschen ist zu beachten, dass nicht alle Nahrungsmittel, die als „gesund“ gelten, auch geeignet sind. So ist der Kaloriengehalt von zu viel Obst oder zu viel Nüssen sogar problematisch. Daher werden z.B. höchstens 200 g Obst und eine Hand voll Nüsse empfohlen, die viele wertvolle Mikronährstoffe enthalten. Allzu generelle Vorgaben sind nicht sinnvoll, zumal der individuelle Geschmack, der Bedarf (schwere körperliche Arbeit und Büroarbeit haben nun einmal einen anderen Kalorienverbrauch) und Faktoren wie Allergien oder Unverträglichkeiten zu beachten sind. Der Trend zu mehr vegetarischer oder veganer Ernährung deutet auch auf ein gestiegenes Bewusstsein zu Ethik, Umwelt und Gesundheit hin. Was und wie wir essen ist ein Teil unserer Identität. Gerade bei Jugendlichen muss aber darauf geachtet werden, dass dann keine Defizite auftreten, z.B. von Vitamin B12, Eisen, Calcium oder Zink.
Von wesentlicher Bedeutung ist das achtsame Essen und Genießen, das sich auch schon in einem Gegentrend, dem „slowfood“ widerspiegelt. Letztlich geht es um ein Wiedererlangen der Wahrnehmung des Essens als essentiellen Bestandteil unseres Lebens.
Lebensmittel sollten frisch und gesund sein, auf unnötige Chemie und industrielle Verarbeitung sollte verzichtet werden. Auf eine angemessene Bezahlung der Hersteller und eine möglichst geringe Belastung der Umwelt sollte geachtet werden. Regionale und saisonale Kost sollte bevorzugt werden. In Unterfranken finden wir im Frühling z.B. Bärlauch, Spargel, Radieschen oder Rhabarber, im Sommer Tomaten, Gurken, Paprika, Zucchini, Blattsalate, Kirschen und Beeren, im Herbst Kohl, Kürbis, Wurzelgemüse, Pilze, Äpfel,
Birnen und Trauben und im Winter Lagergemüse wie Grünkohl, Feldsalat, Schwarzwurzel oder Wirsing sowie Lageräpfel. Natürlich sind auch unsere Fische (z.B. Forelle, Saibling, Waller, Karpfen) sowie regionales Fleisch zu empfehlen – natürlich nicht für jeden Tag.
Letzteres gilt im Übrigen auch für den gelegentlichen Genuss unseres guten Frankenweins, der in niedriger Menge zum Essen (z.B. ein Achtel oder Viertel) einen in Studien klar nachgewiesenen gefäßschützenden Effekt hat, in großen Mengen aber zu den in letzter
Zeit breit diskutierten Problemen führen kann.
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