SO FINDEN SIE UNS
DENKFABRIK
Gesundheit by FLYERALARM e.V.
Alfred-Nobel-Straße 20
97080 Würzburg
Jochen Seuling
E-Mail: info@denkfabrik.world
Telefon: 0160 8207065
Außergewöhnliche Praxisalltage für Zahnarzt Dr. André Trojanski und seine Ehefrau Dr. Andrea Behr, Zahnärztin und Abgeordnete des Bayerischen Landtages – in der Höhe der bolivianischen Anden ermöglichten sie Menschen in einer abgelegenen, ländlichen Region Zugang zu zahnmedizinischer Versorgung. Ein Erlebnisbericht.
22.12.2025
Die Luft ist merklich dünner hier in Huancarani. Eine Ortschaft auf einer Höhe von 3.388 m im Departamento Potosí im Hochland des südamerikanischen Andenstaates Bolivien. Dorthin reisten wir im August mit einer kleinen Gruppe deutscher Zahnmediziner, um im Rahmen des Projekts „Consultorio Dental“ des Förderkreises Clinica Santa Maria e.V. (FCSM) ehrenamtlich zu arbeiten. Ziel des Einsatzes: Menschen zu zahnmedizinischer Versorgung zu verhelfen. Etwas, das für viele dort ansonsten unerschwinglich wäre. Es war bereits unsere vierte „Einsatzreise“ nach Bolivien und Ecuador seit 2016 – nachdem ein Auslandssemester unseres Sohnes in Südamerika uns den Impuls gegeben hatte, Mitglieder im FCSM zu werden.
In der Organisation engagieren sich Zahnärzte, Oralchirurgen, Kieferchirurgen, Zahntechniker und Dentalhygienikerinnen, die mit ihrem Fachwissen ermöglichen, in Lateinamerika Projekte zu unterstützen und weiterzuentwickeln. Als „Voluntarios“ tragen wir dabei die Reisekosten selber und kriegen vor Ort „Kost& Logis“. Auf dieser jüngsten Reise im August 2025 begleiteten uns diesmal unsere Tochter Katharina sowie deren Kommilitonin Josefine Paeßens, beide Studentinnen der Zahnmedizin. Gemeinsam boten wir vor Ort während des viereinhalbwöchigen Aufenthalts Behandlungen, Prophylaxe und Aufklärung zur Mundgesundheit an. Die Patienten in der seit 2014 eingerichteten festen Zahnstation kamen nicht nur aus Huancarani selbst – der Ort hat auch nur knapp 700 Einwohner. Viele hatten weite Strecken auf sich genommen.
Die meisten von ihnen gehören zur indigenen Bevölkerung, die oftmals Quechua und kein Spanisch spricht. Henry, unser bolivianischer Praxishelfer, unterstützte uns bei sprachlichen Barrieren tatkräftig. Kommunikative Sensibilität und die Unterstützung bolivianischer Helfer ist ein wichtiger Bestandteil des Projektes. Die Resonanz: überwältigend! Für die Bevölkerung bedeutete unser Einsatz eine seltene Gelegenheit, Zugang zu qualitativ hochwertiger Zahnmedizin zu erhalten. Die Dankbarkeit der Patienten zeigte, wie wichtig und notwendig solche Initiativen sind – bemerkenswert, wie die indigene Bevölkerung sich eher durch Gesten als durch Worte erkenntlich zeigt: hier ein fester Händedruck, dort eine Umarmung oder ein Drücken. Und ihre wichtigste Botschaft, abseits von Spanischkenntnissen und Voice-Translator: das absolute Vertrauen der Patienten! Wir sind auch in die Schule gegangen, haben beobachtet, wie alle Kinder beim Unterricht gut mitmachen – dann das Pausenklingeln und der Hausmeister kam mit „Süßkram“ als Pausenbrot! Der Zuckerkonsum ist hier unfassbar hoch – und die Mundhygiene insgesamt schlecht, da die Aufklärung fehlt. Kinder und Jugendliche kommen mit sehr vielen kariösen Defekten – von den Eltern ganz zu schweigen.
Das Projekt „Consultorio Dental“ wird das ganze Jahr über von ehrenamtlich tätigen Zahnärzten, Assistenten und Studenten getragen. Mit ihrem Engagement leisten sie einen wertvollen Beitrag, um die zahnmedizinische Versorgung in einer strukturschwachen Region dauerhaft zu verbessern. Bolivien gehört zu den Ländern Südamerikas, die vor großen sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen stehen. Besonders in ländlichen Regionen wie Huancarani zeigt sich dies deutlich. Medizinische Versorgung ist für viele Menschen nur schwer erreichbar und mit einer Inflationsrate von bis zu 25 Prozent trifft es vor allem die ärmeren Bevölkerungsgruppen. Das Land mit seinen 36 anerkannten Volksgruppen ist politisch instabil und zugleich reich an kultureller Vielfalt. Wir denken europäisch, sind aber aufmerksam, wie unsere Rationalität mit südamerikanischer Emotionalität zusammengeführt werden kann. Die Achtung vor unseren Gastgebern erfordert Zurückhaltung in Wort und Tat. Unser Team organisierte die zahnmedizinische Versorgung in Eigenregie. Sprechstunde war täglich von 8.30 Uhr bis 17.00 Uhr. Der Andrang war groß, viele Patienten litten unter stark geschädigten Zähnen, weshalb Füllungen und Extraktionen zum Alltag gehörten.
Nahezu alle Altersgruppen suchten Hilfe und es gab eine Menge zu tun. Neben der Arbeit blieb am Wochenende ein wenig Zeit, das Land besser kennenzulernen. Bolivien zeigte sich dabei in seiner ganzen Vielfalt. Von den Höhen El Altos auf 4.100 m über den Titicacasee bis hin zur größten Salzwüste der Erde, der Salar de Uyuni. Im Rurrenabaque, dem Tor zum bolivianischen Amazonasgebiet begab sich unsere Gruppe auf „Anakonda-Suche“ oder beobachtete auf einem Seitenarm des Amazonas (Rio Beni) Kaimane, Capybaras, Faultiere und Kapuzineräffchen. Wir erlebten ein Land voller Gegensätze, bizarr, schön – und zugleich von Armut geprägt. Was alle aus dem Team aber am meisten beeindruckt hatte, war die Herzlichkeit und Dankbarkeit der Menschen. Wir wollten einfach für andere da sein. Den Jahresurlaub einzusetzen – um zu helfen und zu heilen – haben wir nicht bereut!
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