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Bei Hitze gerät der Kreislauf an seine Grenzen. Doch man kann gut durch die heißen Tage kommen – sogar gut gelaunt. Der Würzburger Kardiologe Christian Rost erklärt, wie das gelingt und worauf sich Ärzte künftig einstellen.
05.08.2026
von Petra Breitenbach-Czermin
Immer öfter wird der Sommer, die liebste Jahreszeit der Deutschen, zur Hochrisikozone für unsere Gesundheit erklärt: Tiefrote Wetterkarten und lautstarke Hitzewarnungen auf unseren Smartphones erzeugen das ungute Gefühl von Gefahr, der wir hilflos ausgeliefert sind. Richtig ist: Hitze kann eine Gefahr für die (Herz-) Gesundheit darstellen. Von Hilflosigkeit kann jedoch keine Rede sein. Schon ein wenig Training, eine solide Portion Wissen und eine Dosis gesunder Menschenverstand stärken die persönliche Hitze-Resilienz wirkungsvoll. Dr. Christian Rost, renommierter Kardiologe und Experte in der DENKFABRIK Gesundheit, bemerkt zweifelsfrei eine wachsende Sensibilität: „In meiner Wahrnehmung wird das Thema breit diskutiert, vielleicht werden sogar etwas zu viel Unsicherheit und Angst erzeugt.“
Dr. Rost plädiert ganz klar für einen bewussten Umgang mit Hitze, unterschätzen sollte man die gesundheitlichen Risiken keinesfalls. Im Sommer sieht er in seiner internistisch-kardiologischen Praxis mehr Patientinnen und Patienten mit Kreislaufbeschwerden, Schwindel, eklatantem Flüssigkeitsmangel (Exsikkose) oder sogar Bewusstlosigkeit. Eine klare Sprache sprechen auch die Zahlen des Robert-Koch-Institutes, das seit Jahren die Mortalitätsdaten des Statistischen Bundesamtes mit den Temperaturmessungen des Deutschen Wetterdienstes in Bezug setzt. Dabei wurde eine deutlich erhöhte Übersterblichkeit in den Hitzesommern 2018, 2019 und 2022 ermittelt. Von Hitzetagen spricht man, wenn die Außentemperatur über 28 Grad Celsius steigt. Das ist vor allem in Kombination mit hoher Luftfeuchtigkeit für den Kreislauf sehr belastend.
Bei hoher Luftfeuchtigkeit verdunstet weniger Schweiß auf der Haut – Kühlung bleibt aus. Weitere Hitzeprobleme resultieren aus dem starken Abfall des Blutdrucks. Bei Wärme erweitern sich die Blutgefäße, der Blutdruck sinkt automatisch. Ausschlaggebend für sinkenden Blutdruck ist weiterhin der Verlust von Flüssigkeit und Blutsalzen (Kalium, Natrium und Magnesium) im Körper.
Wie also kann man das Herz-Kreislaufsystem trainieren und vernünftig auf Hitzestress vorbereiten? Menschen, die in Regionen mit langen Hitzeperioden
leben, können sich langfristig akklimatisieren, dort sind Schweißsekretion, Kreislauf und Ernährung gut angepasst. „In unseren Breiten hingegen haben wir es mit schnellen und häufigen Wechseln zwischen heißen und kühlen Phasen zu tun. Das ist problematisch, weil sich der Körper nicht so schnell anpassen kann. Ein gutes Training sind hier regelmäßige Sauna-Besuche oder auch Wechselduschen“, erläutert Dr. Rost.
Daneben empfiehlt der Experte eine einfache Routine: Wer sich als Erwachsener bewusst ein paar Minuten pro Tag Hitze aussetzt, trainiert sein System und tankt zudem Vitamin D. Voraussetzung ist, dass der Körper das gut toleriert. Sportliche Aktivitäten sollten unbedingt in den frühen Morgen oder auf den Abend verlegt werden. Ab Temperaturen von 30 Grad empfiehlt der Mediziner keinen Sport im Freien. Die gute Nachricht ist also: Man kann sich wirkungsvoll gegen Hitzeschäden wappnen: keine größere Anstrengung bei Hitze, leichte, luftdurchlässige Kleidung von Kopf bis Fuß, Rückzug in kühle Innenräume, leichte Speisen. Wichtig sind auch kühle Schlafräume, um die Regeneration des Körpers zu fördern. Mit der wichtigste Schutz gegen Hitzeschäden ist jedoch vermehrtes Trinken (s. Grafik). Hier gibt der Arzt einen einfachen Tipp: Auch ohne Durst trinken! Das hält fit und wach.
Der tägliche Flüssigkeitsbedarf ist individuell, denn er hängt maßgeblich vom eigenen Körpergewicht ab. Die folgende Übersicht zeigt auf einen Blick, wie viel Wasser dein Körper braucht, um gesund und leistungsfähig zu bleiben. Wer sportlich aktiv ist oder stark schwitzt, sollte die Menge entsprechend anpassen.
Als Faustregel gilt:
Finden Sie mit dem Wasserbedarfs-Rechner schnell und zuverlässig Ihren persönlichen Wasserbedarf heraus.
Hitzeperioden stellen Ärzte vor eine weitere Herausforderung: Zahlreiche Medikamente beeinflussen die Hitzetoleranz der Patientinnen und Patienten merklich und müssen in der Dosis angepasst werden. Dazu zählen entwässernde Medikamente, Blutdrucksenker, bestimmte Psychopharmaka, Schilddrüsenhormone, Fentanyl und diverse Allergie- Mittel. Zudem machen einige Präparate die Haut empfindlicher gegen Sonneneinstrahlung. Hier gibt es keine allgemeingültigen Tipps, sondern einen eindeutigen Experten-Rat: intensive Rücksprache mit Ärzten und regelmäßige Haut-Screenings.
Grundsätzlich gilt für alle: Bei Hitze muss jedes Herz mehr arbeiten, der Puls steigt, der Körper ist belastet. Wer es genauer und vor allem jederzeit wissen will, trägt eine Smartwatch und kann 24/7 Herzfrequenz, Blutdruck sowie weitere Vitalwerte ablesen. Ein Ersatz für den Arztbesuch sei das zwar nicht, so der Experte. Doch ließe sich die Herzfrequenz mit Wearables gut kontrollieren. Beim Sport oder zur Aufzeichnung von Rhythmusstörungen könne das hilfreich sein. Menschen mit Neigung zu Schwindel-Anfällen können sich so beispielsweise vorwarnen lassen: Puls über 100 und Blutdruck unter 100 mmHg – da sind Schwindelsymptome wohl nicht mehr weit. Blutdruckmessungen funktionieren mit den meisten Smartwatches aktuell noch nicht so gut. Zudem resultiere aus einem
Übermaß an Informationen bei vielen Menschen eher Stress denn Sicherheit, resümiert der Arzt.
GENIESSEN SIE DIE SCHÖNEN TAGE AUCH IM FREIEN, ZUSAMMEN MIT ANDEREN MENSCHEN – DAS IST GUT FÜRS HERZ.
Schwitzen ist ein effektives körpereigenes Kühlsystem. Zugleich bedeutet es allerdings Flüssigkeitsverlust – und zwar von bis zu zwei Litern pro Stunde bei starker Belastung. Schwitzt man zwei Prozent des Körpergewichtes an Flüssigkeit aus, ist die körperliche Leistung bereits beeinträchtigt, doch entsteht nicht zwingend ein Durstgefühl. Bei fünf Prozent spricht man bereits von starker Dehydrierung, Hautdurchblutung und Schweißproduktion nehmen ab – das Risiko für eine lebensgefährliche Hyperthermie (Hitzschlag) steigt.
Wie viel wir schwitzen, ist individuell. Körperfett, Fitness, aber auch Kleidung sind ausschlaggebend. Ab einer Außentemperatur von 25 Grad schwitzen die meisten Menschen leicht, ab 30 Grad deutlich mehr.
„Für die Gesundheit unseres Herzens benötigen wir auch Freude und ein soziales Umfeld, um Einsamkeit zu vermeiden. Also genießen Sie die schönen
Tage auch im Freien, zusammen mit anderen Menschen – das ist gut fürs Herz.“ (Dr. Christian Rost, Kardiologe in der Würzburger Praxis main-herz)
Ja! Ältere Menschen verlieren ein adäquates Durstgefühl und erkennen Flüssigkeitsmangel oft nicht. Zusammen mit einem Verlust an Blutsalzen können Verwirrtheitszustände auftreten. Zudem funktioniert die Wärmeregulation über die Haut weniger gut, sie schwitzen weniger und der Körper kann sich nicht mehr selbst herunterkühlen. Die Einnahme von Diuretika (Entwässerungs-Medikamenten) verstärkt diese Effekte.
Nein! Rund 75 Prozent der Kinder und Jugendlichen leiden bei Hitze unter diversen Beschwerden: Schlafprobleme, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Kreislaufbeschwerden (Quelle: Kinder- und Jugendreport der DAK, 2024). Als wirksamste Schutzmaßnahmen gelten auch hier ausreichendes Trinken, leichte Kleidung und Vermeidung großer Anstrengung in der Mittagshitze. Kleinkinder sollten überhaupt nie großer Hitze ausgesetzt sein. Bei kleinen Körpern wirkt sich Flüssigkeitsverlust ungemein schneller aus.
Direkte Sonneneinstrahlung auf den Kopf kann zu einem Sonnenstich führen. Dieser betrifft in erster Linie Kopf und Gehirn. Der Körper ist bei einem Sonnenstich nicht unbedingt überhitzt.
Typisch für eine Hitzeerschöpfung: Der oder die Betroffene schwitzt stark und verliert viel Flüssigkeit, wenn er oder sie sich in warmer Umgebung körperlich anstrengt.
Bei einem Hitzeschlag besteht akute Lebensgefahr! Dieser kann sich scheinbar schlagartig aus den zuvor genannten Krankheitsbildern entwickeln. Es zählt jede Minute!