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Präzise Diagnostik entscheidet darüber, wie gezielt behandelt werden kann. In Würzburg fehlte sie lange. Mit der neu gegründeten PET/ CT Nordbayern und einer mutigen Investition hat sich die Versorgung der Region seit Jahresbeginn verbessert. Radiologe Flemming Paul erklärt, wie das gelungen ist.
von Petra Breitenbach-Czermin
In Würzburg ist ein kleines Wunder geschehen. Manche nennen es „Leuchtturmprojekt“, so auch Bernhard Seidenath, Vorsitzender des Ausschusses Gesundheit, Pflege und Prävention des Bayerischen Landtages. Andere nennen es ein seltenes Beispiel dafür, dass zwei Einrichtungen, die eigentlich konkurrieren, mit vereinten Kräften etwas Schönes schaffen können.
Was ist passiert? Zwei große Würzburger Radiologie-Praxen (Radiologie vor Ort & Radiologie am Berliner Platz) haben sich zusammengetan, eine GbR gegründet und mit einer Vorlaufzeit von eineinhalb Jahren ein neues PET/CT-Gerät in die Stadt gebracht. Ideengeber war Prof. Dr. Andreas Buck, Chefarzt der Nuklearmedizin im Universitätsklinikum Würzburg. Sein Haus habe den Bedarf nicht mehr decken können, lange Wartezeiten oder ein Ausweichen nach Nürnberg oder München waren große Zumutungen für die Patientinnen und Patienten.
Was bedeutet die Anschaffung des auf diesem Gebiet modernsten medizinischen Gerätes für die Gesundheitslandschaft unserer Region? Das bedeutet, dass Menschen mit Tumoren, bestimmten Entzündungen oder Herz-Erkrankungen sowie speziellen Demenzdiagnosen einen deutlich verbesserten Zugang zum aktuell besten und teuersten bildgebenden Verfahren haben.
„Der größte Vorteil der PET/CT ist, dass beispielsweise Tumore oft früher, genauer und in einem einzigen Untersuchungsgang beurteilt werden können. Je besser wir die Erkrankung erfassen, desto eher vermeiden wir Therapien, die wenig nützen, aber viel kosten“, erläutert Dr. Flemming Paul, Facharzt für Nuklearmedizin und diagnostische Radiologie.
Dem Mediziner ist seine Begeisterung anzumerken und schreibt dem Projekt, genau wie der Kooperation der Beteiligten, eine Bedeutung weit über die Stadtgrenzen hinaus zu. Neben einer Stärkung des Standortes Würzburg steht für ihn die verbesserte Patientenversorgung in der Peripherie ganz oben auf der Pluspunkt-Liste.
Und doch ist ihm bewusst, dass immer genauere Diagnose-Optionen nicht ausschließlich „schöne“ Seiten haben. Mehr Diagnostik schaffe nicht ausschließlich Klarheit, sondern führe bei manchen Menschen auch zu Stress, Unsicherheit und Entscheidungs-Erschöpfung. Deshalb, so Dr. Paul, brauche Fortschritt immer auch gute ärztliche Führung. Natürlich kenne er auch die Angst der Patientinnen und Patienten vor einer Untersuchung im PET/CT. Die Angst vor der Radioaktivität könne er relativieren: Das verwendete Fluor-18 sei nur kurz im Körper aktiv, habe eine Halbwertszeit von 109 Minuten, werde schnell ausgeschieden und sei nach einigen Stunden kaum noch vorhanden.
2001 ging der Prototyp eines PET/CT an der Uniklinik Essen in Betrieb, in ganz Deutschland stehen derzeit weniger als 150 Geräte, womit Deutschland im europäischen Vergleich eher auf den hinteren Rängen liegt. In Dänemark zum Beispiel ist die Pro-Kopf-Dichte von PET/CTs sechs- bis neunmal höher als bei uns. Im Krankheitsfall haben Patienten dort also eine sechs- bis neunmal höhere Chance auf eine entsprechende Untersuchung.
Ein PET/CT vereint zwei bildgebende Verfahren in einem Gerät: Das PET (Positronen-Emissions-Tomographie) stellt nicht das Aussehen von Gewebe dar, sondern dessen aktive Funktionen wie Stoffwechsel und Durchblutung. Das CT (Computertomographie) liefert mittels Röntgenstrahlung hoch detaillierte, überlagerungsfreie Schnittbilder des Körperinneren. Zusammen bedeuten sie die derzeit beste und auch teuerste Grundlage für passgenaue Therapien.
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