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Ein langes Leben bei möglichst guter Gesundheit – das verspricht der aktuelle Trend. Neue Programme und Produkte sollen dabei helfen, den Körper besser zu verstehen und das Altern zu beeinflussen. Doch was davon ist wirklich belegt – und was pure Geldmacherei? Analyse eines Hypes.
06.07.2026
von Anna Butterbrod
Die MEDIZIN, DAS GESUNDHEITSWESEN UND DIE POLITIK BESCHÄFTIGEN SICH ZU WENIG MIT DEM ERHALT VON GESUNDHEIT.
Dieses Wort ist plötzlich überall: Longevity. Es taucht in Gesprächen auf, in Podcasts, auf Werbeplakaten. Aber was steckt wirklich dahinter? „Longevity heißt übersetzt erst einmal nichts anderes als Langlebigkeit. Im Kern ist das ein alter Hut“, sagt Dr. Christian Rost, Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Sportmediziner mit eigener Praxis in Würzburg. Älterwerden beschäftigt Fachleute schon sehr lange. Neu ist vor allem die Verpackung. „Das Ganze hat durch einen englischen Begriff noch einmal einen neuen Zauber bekommen.“
Und dieser Zauber trifft einen Nerv. Denn die Aussicht, möglichst lange fit zu bleiben, hat eine enorme Anziehungskraft. Gleichzeitig wächst rund um das Thema ein riesiger Markt mit Tests, Behandlungen und Produkten. „Inzwischen mischen unterschiedliche Industriezweige mit, auch die Schönheitsindustrie“, erklärt Rost. „Oft geht es darum, aus diesem Trend Profit zu ziehen.“ Für Außenstehende ist es schwierig, den Überblick zu behalten. „Es wird immer komplizierter zu unterscheiden, was seriös und wissenschaftlich
belegt ist und was am Ende nur Hype.“
Deshalb lohnt sich ein nüchterner Blick auf das, was tatsächlich möglich ist. Die maximale menschliche Lebensspanne wird nach heutigem Kenntnisstand weiterhin auf etwa 115 bis 120 Jahre geschätzt – ein Alter, das nur wenige erreichen. Die eigentliche Frage lautet daher nicht: Wie werden wir immer älter? Sondern: Wie bleiben wir innerhalb dieser Spanne möglichst lange gesund?
„Eigentlich geht es um Primärprävention, also darum, was wir tun können, bevor Krankheiten entstehen“, betont Rost. Doch ausgerechnet dieser Bereich stehe bis heute nicht im Mittelpunkt. „Die Medizin, das Gesundheitswesen und die Politik beschäftigen sich zu wenig mit dem Erhalt von Gesundheit.“ Das hat mit dazu beigetragen, dass Longevity gerade so boomt.
Dabei sind die wirksamsten Hebel längst bekannt. „Was wirklich hilft, sind im Grunde die klassischen Dinge, die seit Jahren empfohlen werden“, meint Rost. „Das Allerwichtigste ist: nicht rauchen“, so der Vizepräsident des Bayerischen Sportärzteverbands. Dazu kommen regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und eine Ernährung, die den Körper nicht dauerhaft belastet.
Das alles wirkt fast banal. Gerade deshalb wird die Wirkung dieser Gewohnheiten unterschätzt. Für Rost hängt das auch damit zusammen, dass viele das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung verloren haben. „Unser Bauchgefühl sagt uns eigentlich ziemlich genau, was gut für uns ist und was nicht.“ Dieser innere Kompass geht häufig verloren, weil von allen Seiten neue Empfehlungen einprasseln. „Wir müssen wieder lernen, selbst einzuschätzen, was uns guttut – und uns darin sicherer fühlen. Das lässt sich trainieren.“ Gemeint ist damit, wieder stärker auf sich selbst und die Signale des eigenen Körpers zu hören, statt auf Stimmen von außen.
Damit kommt etwas zurück, was in der ganzen Debatte leicht verloren geht: Ruhe. Und das Gefühl, nicht auf jeden neuen Trend reagieren zu müssen. So fällt es leichter, sich auf entscheidende Gewohnheiten zu konzentrieren.
Bewegung gehört für mich fest zum Alltag. Ich fahre mit dem E-Bike zur Arbeit, schließlich haben wir in Würzburg viele Steigungen. Diese Erfindung
halte ich für einen großen Gewinn, weil viele Menschen aus Angst vor der Anstrengung sonst gar nicht aufs Rad steigen würden. Das E-Bike hat da viel
verändert. Dazu kommt ein- bis zweimal pro Woche Kraftsport.
Bei der Ernährung setze ich auf einfache, frische Küche: viel Gemüse, gutes Öl und möglichst naturbelassene Lebensmittel. Daheim gibt es oft so etwas wie fränkische Tapas: eine Brotzeit mit viel Rohkost. Dieses unkomplizierte Essen passt gut in den Alltag und bekommt mir.
Gegen Stress von außen hilft mir eine bewusste Informationshygiene. Vor allem das ständige Rauschen aus News, Apps und sozialen Medien kann belasten. Ich habe viele Nachrichten-Apps gelöscht, nutze nur sehr ausgewählte Quellen und verzichte komplett auf Social Media. Das gibt mir mehr Gelassenheit
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