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DENKFABRIK
Gesundheit by FLYERALARM e.V.
Alfred-Nobel-Straße 20
97080 Würzburg
Jochen Seuling
E-Mail: info@denkfabrik.world
Telefon: 0160 8207065
Die medizinische Versorgung in unserem Land steht im internationalen Vergleich sehr gut da, muss sich aber Herausforderungen stellen, unter anderem einem enormen Kostendruck.
18.12.2025
Wie schaut unser Gesundheitssystem in Zukunft aus? Kann Digitalisierung oder künstliche Intelligenz unsere qualitativ hochwertige Versorgung aufrechterhalten? Diese Fragen beantwortet Frau Dr. Birgit Spohn, Gynäkologin und regionale Vorstandsbeauftragte der kassenärztlichen Vereinigung im Bezirk Unterfranken.
Dr. Spohn: Dass sich Menschen sorgen, ist nachvollziehbar. Man hört öfter etwas von Klinikschließungen, erfährt von fehlenden Praxisnachfolgen in der Umgebung oder liest von Arzneimittelengpässe in den Medien. Mit unserer Denkfabrik Gesundheit sind wir deshalb auch angetreten, um nach Ideen und Lösungen zu schauen, um die aktuell wirklich gute Versorgung hier in der Region Mainfranken aufrechterhalten und sogar ausbauen und verbessern zu können. Auch als Vorstandsbeauftragte der Kassenärztlichen Vereinigung in Bayern beschäftigt mich das Thema. Als KVB sind wir mit zuständig für die ambulante Versorgung und deren Sicherstellung. Dort arbeiten wir unter anderem daran, dass wir Praxis-Nachfolgeregelungen unterstützen.
Dr. Spohn: Die gesamtgesellschaftliche Situation ist ständig im Umbruch. Und das bringt auch Veränderungen für uns in der ambulanten Versorgung sowie im medizinischen Alltag mit sich. Vor zehn Jahren hatten wir ungefähr 31.000 niedergelassene Hausärzte, Fachärzte und Psychotherapeuten bei uns in Bayern. Heute haben wir ungefähr 38.000. Allerdings: vor zehn Jahren waren zwei Drittel der Niedergelassenen in voller Zulassung tätig, heute sind es weniger als die Hälfte, da auch viele in Teilzeit arbeiten. Zudem haben wir heute auch mehr angestellte Ärzte. Nicht mehr jeder macht sich mit eigener Praxis selbstständig. Wenn wir eine flächendeckende und stabile Versorgung wollen, dann ist natürlich wichtig, dass wir Ärzte und Psychotherapeuten finden, die sich mit eigener Praxis niederlassen!
Dr. Spohn: Ich sehe jeden Tag bei mir in der Praxis, was es mir persönlich bringt, eigenständig und selbstständig arbeiten zu können. Da ist das Arbeiten mit den Menschen in der Praxis, mit den Patienten, die zu uns kommen. Und was ich jungen Kollegen, die aus dem Studium oder aus der Weiterbildung kommen, mitgeben möchte: In der eigenen Praxis hat man immer die Möglichkeit, eigene Ideen, und ärztlichen Fortschritt so wie man das für sich möchte, kreativ umzusetzen. Und so versuche ich auch mit meiner Tätigkeit in der Kassenärztlichen Vereinigung für die eigene Niederlassung ein bisschen zu begeistern.
Dr. Spohn: Ja, das stimmt leider. Wir müssen uns dringend um das Thema Praxisnachfolge kümmern. Da sind wir sehr engagiert dabei, die Kollegen frühzeitig zu beraten. Wir organisieren beispielsweise Niederlassungsseminare, bei denen sich auch Interessierte und Abgebende kennenlernen können. In den Bereichen, die unterversorgt sind, gibt es finanzielle Förderungsmöglichkeiten. In ganz Bayern gibt es aktuell ungefähr 470 offene Arztstellen, also nicht besetzte Arztsitze. Wirklich unterversorgte Gebiete haben wir im Bereich der hausärztlichen Versorgung in vier sowie im Bereich der fachärztlichen Versorgung acht in ganz Bayern. Würzburg Stadt und Würzburg-Land gehören glücklicherweise nicht dazu.
Dr. Spohn: Auch in der Gesundheitsversorgung hat sich die gesamtwirtschaftliche Situation geändert. Das trifft natürlich auch die selbstständigen Arztpraxen. Ich sehe das in meiner eigenen Praxis. Wir haben stark steigende Kosten für Strom, für Gehälter, für Technik, für EDV. Jede Praxis ist ein Unternehmen und wir müssen auch betriebswirtschaftlich arbeiten. Hier gilt die Formel: ärztliche Versorgung, Patientenversorgung geht nur in dem Rahmen dessen, wie auch Mittel zur Verfügung stehen. Hier ist die Politik gefordert, dass wir in den Praxen auch eine auskömmliche und betriebswirtschaftlich funktionierende Vergütung für unsere Leistung von den Krankenkassen bekommen.
Dr. Spohn: Deshalb gibt es für den ländlichen Bereich schon heute zusätzliche, weitere Förderprogramme. Unter anderem die sogenannte Landarztquote. Hier wird ein Teil der Studienplätze an solche Studierenden vergeben, die Interesse daran haben und sich verpflichten, später eine gewisse Zeit auf dem Land in ihrem Fachgebiet tätig zu sein. Das Thema ist klar im Fokus der Politik und auch der Kassenärztlichen Vereinigung.
Dr. Spohn: Digitalisierung ist ein ganz wichtiges Thema. Bei der KV versuchen wir, unsere Mitglieder unter anderem mit Veranstaltungen zur elektronischen Patientenakte oder zur Telemedizin zu unterstützen. Aber: es muss funktionieren! Bei mir in der Praxis musste ich feststellen, dass die Einführung der elektronischen Patientenakte noch keinen Mehrwert generiert. Wir haben Aufwand, es bindet Mitarbeiter – aber der Nutzen im Alltag ist aktuell noch nicht da ...
Andere Anwendungen bringen Vorteile. Das elektronische Rezept hat sich rasch durchgesetzt jetzt. Nennen kann ich auch den KIM-Nachrichtendienst, ein System, das es ermöglicht, schnelle und sichere Nachrichten unter Ärzten und Kliniken zu übermitteln. In jedem Fall müssen Neuerungen praxistauglich gestaltet sein. Infrastrukturell sind wir im ambulanten Bereich aber schon sehr gut aufgestellt. Über 96 Prozent aller niedergelassenen Arztpraxen und Psychotherapiepraxen sind an die Telematikinfrastruktur angeschlossen.
Dr. Spohn: Bei medizinischen Anwendungen ist klar, es muss immer alles datensicher sein. Da kann ich nicht einfach irgendeinen Stick bei mir in den Computer stecken, um irgendwas auszulesen. Aber es ist ein Weg der Zukunft. Bei kommenden Stufen der elektronischen Patientenakte ist vorgesehen, dass solch individuelle Gesundheitsdaten mit eingefügt werden können. Grundsätzlich denke ich, dass die Menschen sich der Vorsorge bewusster werden und aktiv sein sollten. Und da ist sicherlich ein Fitnesstracker – und überhaupt alles, was mich motiviert, selbst aktiv zu sein – eine gute Sache.
Dr. Spohn: Für mich ist KI das Zukunftsthema, auch in der Medizin! Und ich verfolge das sehr aufmerksam – immer im Hinblick für die eigene Praxis. Es muss praxistauglich sein, damit es uns weiterhilft. Wir brauchen sicherlich noch deutlich mehr Förderung und Projekte für den Einsatz von KI in der ambulanten Versorgung. Denn dort gibt es noch zu wenig, während es bereits zahlreiche Programme im Bereich von großen Kliniken, von großen Pflegeeinrichtungen oder an den Universitäten gibt.
Dr. Spohn: Es gibt viele gute Ansätze! Wir müssen offen sein für neue Dinge wie KI oder Telemedizin. Und ich persönlich hoffe, dass viele Kolleginnen und Kollegen auch versuchen, sich einzubringen und aktiv mitzugestalten. Das ist auch mein persönliches Thema in der Denkfabrik Gesundheit und auch bei meiner Tätigkeit in der Kassenärztlichen Vereinigung. Ich sehe zuversichtlich in die Zukunft!
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