Steckbrief Hantavirus
Hantaviren sind weltweit verbreitete Krankheitserreger, die durch verschiedene Nagetierarten übertragen werden. Ihren Namen verdanken sie dem koreanischen Grenzfluss Hantan: Dort erkrankten Anfang der 1950er Jahre während des Koreakriegs mehr als 3000 Soldaten an einer Hantavirus-Infektion, über 200 von ihnen starben.
Vorkommen und Übertragung
Hantaviren kommen weltweit in unterschiedlichen Serotypen vor. Die Übertragung erfolgt vor allem durch Nagetiere wie Mäuse und Ratten, wobei jeweils bestimmte Tierarten verschiedene Virusvarianten in sich tragen.
In Deutschland spielen insbesondere zwei Virusarten eine Rolle:
- das Puumalavirus, übertragen durch die Rötelmaus
- seltener das Dobravirus, übertragen durch die Brandmaus
Die Zahl der Infektionen schwankt von Jahr zu Jahr deutlich. Besonders betroffen ist Baden-Württemberg, das bundesweit die höchsten Fallzahlen aufweist.
Infizierte Nagetiere scheiden die Viren lebenslang über Speichel, Urin und Kot aus. In der Umwelt können die Erreger über mehrere Wochen infektiös bleiben.
Wie erfolgt die Ansteckung?
Eine Infektion kann auch ohne direkten Kontakt zu Nagetieren entstehen. Mögliche Übertragungswege sind:
- Einatmen von aufgewirbeltem, virushaltigem Staub
- Kontakt mit kontaminierter Erde über kleinste Hautverletzungen
- Aufnahme über verunreinigte Lebensmittel
- Seltener durch Bisse infizierter Tiere
Wichtig: Erkrankte Menschen sind bei den in Deutschland vorkommenden Hantavirus-Typen nicht ansteckend. Die Übertragung erfolgt ausschließlich vom Nagetier auf den Menschen, nicht von Mensch zu Mensch.
Inkubationszeit und Symptome
Die Inkubationszeit beträgt meist mehrere Wochen.
Viele Infektionen verlaufen unbemerkt oder nur mit milden Beschwerden. Typische Symptome sind:
- plötzlich einsetzendes Fieber
- grippeähnliche Beschwerden
- Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen
- Übelkeit und Durchfall
- Schwindel
In schwereren Fällen kann es zu Blutungsneigungen mit Einblutungen an Haut, Schleimhäuten und Augen kommen. Auch Blutdruckabfall sowie Störungen der Nierenfunktion sind möglich. Tödliche Verläufe treten in Deutschland jedoch nur sehr selten auf.
Behandlung
Eine spezielle antivirale Therapie oder Schutzimpfung gegen Hantaviren gibt es derzeit nicht. Die Behandlung erfolgt symptomatisch. Schwere Krankheitsverläufe benötigen eine intensivmedizinische Betreuung.
Da Erkrankte nicht ansteckend sind, ist eine Isolation nicht erforderlich.
Schutzmaßnahmen gegen Hantaviren
Um das Infektionsrisiko zu senken, empfehlen Experten folgende Maßnahmen:
- Kontakt mit Nagetieren und deren Ausscheidungen vermeiden
- Nagetierbefall in Kellern, Dachböden, Garagen oder Schuppen konsequent bekämpfen
- Lebensmittel, Tierfutter und Abfälle sicher und verschlossen lagern
- Tote Nagetiere nur mit Schutzhandschuhen und FFP2-/FFP3-Maske entsorgen
- Kadaver und Exkremente vor dem Entfernen mit Wasser oder Reinigungs-/Desinfektionsmittel befeuchten
- Reinigungsarbeiten möglichst nass durchführen, um Staubaufwirbelungen zu vermeiden
- Nach Arbeiten in belasteten Bereichen gründlich Hände waschen; anschließend duschen und Arbeitskleidung heiß waschen
Besonderheit: Das südamerikanische Andesvirus
Aktuell wurde auf dem aus Argentinien kommenden Kreuzfahrtschiff „MS Hondius“ das sogenannte Andesvirus nachgewiesen. Es gehört ebenfalls zur Familie der Hantaviren und kommt vor allem in Südamerika vor. Als natürliches Reservoir gilt dort die Reisratte.
Im Unterschied zu den in Europa vorkommenden Hantavirus-Typen ist beim Andesvirus auch eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung möglich. Diese erfolgt meist bei engem Kontakt über Tröpfcheninfektion.
Zudem weist das Andesvirus mit einer Sterblichkeitsrate von etwa 25 bis 50 Prozent deutlich schwerere Verläufe auf als die in Deutschland bekannten Virusvarianten. Nach Einschätzung der WHO ist das Risiko für die weltweite Bevölkerung derzeit jedoch gering.
Quellen: Robert Koch-Institut, Deutsche Apotheker Zeitung, Apotheke Adhoc, DocCheck



